Soziales Kaufhaus – Hamburger Abendblatt

Matratzen, Schränke und Sofas für wenig Geld. Eine Möbelkiste für bedürftige Hamburger

Foto: Sabine Tesche
Patrik Jatsch , li, und Volker Stauder von der Möbelkiste

Die Möbelkiste verkauft nur an Bedürftige. Die Abendblatt-Redaktion „Von Mensch zu Mensch“ unterstützt das soziale ProjektDie Möbelkiste verkauft nur an Bedürftige. Die Abendblatt-Redaktion „Von Mensch zu Mensch“ unterstützt das soziale Projekt

Es gibt Regale in allen Größen, Sofas, Matratzen und Bettgestelle ebenso wie Spielzeug und Kuscheltiere. Die Möbel sind in den kahlen, grob verputzten Räumen hintereinander aufgereiht. Hier kostet ein einfacher Stuhl gerade mal zehn Euro, ein gut erhaltenes Ledersofa bekommt man für 250 Euro. Bei der „Möbelkiste“, die es seit einem Jahr in Barmbek gibt, geht es nicht um eine schöne Präsentation, sondern das kleine soziale Kaufhaus zeichnet sich durch seine niedrigen Preise aus: Hier haben Menschen mit wenig Geld – wie Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge, Rentner, Studenten, Auszubildende und Schüler – die Möglichkeit, von Möbeln bis hin zu Hygieneartikeln alles zu meist einem Drittel des ursprünglichen Verkaufspreises zu erwerben. Bei den Waren handelt es sich größtenteils um aussortierte, jedoch neuwertige Artikel einer großen schwedischen Möbelhauskette, vereinzelt sind es Möbel von Privatspendern. Das aktuelle Angebot ist nicht nur vor Ort, sondern auch auf der Homepage online zu sehen.

Geleitet wird der Laden, dessen Träger die Hamburger Kinder- und Jugendhilfe ist, von Patrik Jatsch (41) und Volker Stauder (57), die hier vier Tage in der Woche als Angestellte gemeinsam mit 25 Ehrenamtlichen arbeiten und viel Herzblut in das vier Jahre alte Projekt investiert haben. Die beiden Männer arbeiten eng mit der Abendblatt-Redaktion „Von Mensch zu Mensch“ zusammen, die viele Alleinerziehende und bedürftige Familien zur Möbelkiste schickt.

Patrik Jatsch, der durch seine Osteoporose (Knochenschwund) gesundheitlich eingeschränkt ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie hart es ist, von Hartz IV zu leben. „Deswegen verstehe ich meine Kunden und möchte ihnen bestmöglich helfen“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann und Möbelexperte. Volker Stauder war Banker und suchte nach Jahren des Reisens und Stresses eine „sinnvolle Beschäftigung“, wie er sagt. „Der Aufbau dieses sozialen Projekts macht mir viel Freude. Es ist schön zu sehen, wie die Leute glücklich sind, wenn sie was Schönes bei uns finden“, so Stauder.

Die 630-Quadratmeter-Fläche ist täglich gut besucht, es gibt noch ein 150 Quadratmeter großes Lager in der Hamburger Straße. Im Monat kommen rund 1000 Interessenten in das Möbelhaus. Jedoch nicht jeder kann hier einkaufen: An der Kasse muss ein Einkommensbescheid vorgezeigt werden, der die Bedürftigkeit nachweist. Die beiden Verantwortlichen betonen ihre Offenheit gegenüber allen Menschen. „Bei uns haben schon die verschiedensten Typen gearbeitet, manche hatten eine psychische oder körperliche Krankheit. Wir versuchen alle zu integrieren“, sagt Volker Stauder. Momentan sind in der Möbelkiste zwei Flüchtlinge aus Tunesien und Syrien beschäftigt, die durch die Jobbörse vermittelt wurden.
So engagiert die Leiter des Projekts auch sind, ist die Möbelkiste dennoch immer gefährdet und auf weitere Spenden angewiesen. „Unser Laster für den Transport der Möbel bricht bald zusammen“, fürchtet Patrik Jatsch. Da die Geschenk-, Haushalts- und Kosmetikartikel im zweiten Stock die Hauptumsatzbringer sind, benötigt das soziale Kaufhaus dringend Sachspenden aus diesem Sortiment. „Wir würden uns freuen, wenn weitere Unternehmen auf uns zukommen würden“, sagt Volker Stauder.

Möbelkiste, Dehnhaide 1b, Di–Fr 10–15 Uhr, moebelkiste-hamburg.de, Tel. 52 59 03 35

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten. Erschienen am 25.03.2017